Eine Mädchenrealschule auf dem Klosterberg
Zwölf Klassen, rund 307 Schülerinnen
Die Nardini-Realschule ist eine private Realschule für Mädchen, staatlich anerkannt, seit 2016 in Trägerschaft der Schulstiftung der Diözese Regensburg. Zwölf Klassen, zweizügig, rund 307 Schülerinnen, 25 hauptamtliche Lehrkräfte.
Diese Größe ist keine Randnotiz, sondern der Unterschied. In einem zweizügigen Haus kennt eine Lehrkraft die Mädchen auch aus den Klassen, in denen sie nicht unterrichtet. Wer fehlt, fällt auf. Wer sich schwertut, fällt auf, bevor es im Zeugnis steht.
Der Schultag beginnt um 7.35 Uhr mit einem Gebet, in den Unterrichtsräumen tragen alle Hausschuhe. Kleinigkeiten — aber sie beschreiben den Ton im Haus genauer, als ein Leitbild es könnte.
Eine Schule nur für Mädchen — aus Überzeugung
Dass bei uns nur Mädchen lernen, ist keine Tradition, die wir mitschleppen. Es ist eine Entscheidung.
In einer Klasse ohne Jungen stellt sich die Frage nicht, wer den Ton angibt. Wer etwas weiß, sagt es. Wer etwas ausprobieren will, tut es — auch in den Fächern, bei denen Mädchen anderswo früh das Gefühl bekommen, sie seien nicht gemeint. Und die Rollen, die in gemischten Klassen oft wie selbstverständlich vergeben werden, übernehmen hier Schülerinnen: in der SMV, im Schulsanitätsdienst, in der Marketing AG, auf der Bühne.
Unser Schulvertrag nennt als Ziel, dass jede Schülerin angstfrei lernen kann. Das ist kein Versprechen auf ein leichtes Leben, sondern auf einen Ort, an dem man sich etwas zutrauen kann, ohne vorher zu überlegen, wie es aussieht.
Wir behüten unsere Schülerinnen nicht. Wir machen sie stark.
Seit 1929
Die Schule ist fast hundert Jahre alt. Was in dieser Zeit passiert ist, sagt mehr über sie als jedes Leitbild.
- 1929 Die Mallersdorfer Schwestern gründen auf dem Klosterberg eine Mädchenmittelschule.
- NS-Zeit Die Schule wird geschlossen, ihre Räume werden als Lazarett genutzt.
- 1947/48 Wiederbeginn — mit zwölf Mädchen.
- 1989 Die Schule erhält den Namen Paul Josef Nardinis.
- 2016 Die Schulstiftung der Diözese Regensburg übernimmt die Trägerschaft vom Kloster.
Zwölf Mädchen im Wiederbeginn, gut dreihundert heute. Der Klosterberg ist derselbe geblieben. 2029 wird die Schule hundert Jahre alt.
Die Schule war selbst einmal geschlossen
In der NS-Zeit wurde diese Schule geschlossen und ihre Räume wurden als Lazarett genutzt. Vielleicht ist das der Grund, warum die Beschäftigung mit dieser Zeit hier nicht bei einem Kapitel im Geschichtsbuch endet.
Jeder Jahrgang begegnet ihr mehrfach. Die zehnten Klassen fahren in die KZ-Gedenkstätte Dachau. Fritz Wallner aus Schierling kommt zu ihnen und erzählt, was seiner Verwandten Theres Wallner geschah, die 1940 dem Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten zum Opfer fiel; an sie erinnert der einzige Stolperstein im Landkreis Regensburg. Der Zeitzeuge Ernst Grube, als Kind nach Theresienstadt deportiert, war 2024 und 2025 bei den neunten Klassen zu Gast.
Im Oktober 2025 gestalteten zwölf unserer Schülerinnen die Gedenkfeier für Theres Wallner in der Schierlinger Pfarrkirche mit: „Kerzen für die Opfer“ — zu jeder Station ihres Lebens wurde eine Kerze ausgeblasen, nur die letzte durfte weiterbrennen.
Unser Namenspatron
Namensgeber unserer Schule ist Paul Josef Nardini (1821–1862), Priester und Ordensgründer. Er setzte sich besonders für benachteiligte Kinder und Jugendliche ein und erkannte früh, wie wichtig Bildung, Erziehung und menschliche Zuwendung für ein selbstbestimmtes Leben sind.
Er gründete die Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie — die Gemeinschaft, die heute als Mallersdorfer Schwestern bekannt ist. Ihr Kloster auf dem Klosterberg war bis 2016 Träger dieser Schule. 2006 wurde Paul Josef Nardini seliggesprochen.
Sein Denken und Handeln – geprägt von Nächstenliebe, Verantwortung und Vertrauen – sind auch heute eine wichtige Orientierung für das Selbstverständnis unserer Schule.
Auf dem Klosterberg
Die Schule steht nicht neben dem Kloster, sie ist baulich mit ihm verbunden. Die Mallersdorfer Schwestern sind keine Nachbarn — sie sind im Haus.
Das merkt man im Alltag. Unsere Gottesdienste feiern wir in der Mutterhauskirche, und Schwestern aus dem Kloster helfen im Unterricht und im Förderbereich aus.
Für viele Schülerinnen ist das die erste Selbstverständlichkeit dieser Art in ihrem Leben — Menschen, die ihr Leben einer Sache gewidmet haben, sind hier einfach da.
Wie der Glaube im Alltag vorkommt
Die Woche beginnt montags im Morgenkreis: Zeit für ein Gespräch, ein Gebet, manchmal ein Spiel — die Klasse und ihre Klassenleitung unter sich.
Der Rest verteilt sich über das Jahr. Die fünften Klassen übernachten zur Bibelnacht in der Schule; gearbeitet wird vorher an einer biblischen Geschichte, gemeinsam gekocht wird auch. Die sechsten Klassen gehen zu Fuß auf Wallfahrt nach Altötting. Jede Klasse fährt einmal im Jahr auf Besinnungstage, ab der neunten mehrtägig. Am Nardinitag arbeitet die ganze Schule an einem Thema und feiert Gottesdienst.
Die Gottesdienste selbst finden in der Mutterhauskirche statt, und die Schülerinnen gestalten sie mit — Texte wie Musik. In der Reli-AG bereiten sie die Aktionen zu den kirchlichen Festzeiten vor, in der neunten Klasse gibt es dazu einen Gottesdienst-Workshop. Und es gibt die „Atempausen“ von Sr. M. Romana Zistler, für alle, die eine brauchen.
Eines sagen wir gleich, damit es später niemanden überrascht: Der Religionsunterricht ist bei uns katholisch, und alle Schülerinnen nehmen daran teil. Wer evangelisch ist, einer anderen Religion angehört oder keiner, ist deshalb nicht weniger willkommen — die Teilnahme gehört dann eben dazu. Fragen dazu beantworten wir gern vor der Anmeldung.
Nicht nur für sich lernen
Compassion ist der größte Brocken: fünf Tage im Alten- oder Pflegeheim, im Krankenhaus, in einer Behinderteneinrichtung. Neuntklässlerinnen, die vorher meist noch nie in so einem Haus waren.
Der Rest ist kleiner und läuft das ganze Jahr. Der Christkindlmarkt und das Kerzenbasteln sammeln für die AIDS-Waisen, die die Nardini Sisters in Südafrika betreuen — am Nardinitag 2023 waren es 5.000 Euro, übergeben an Generaloberin Sr. Jakobe. Dazu Weihnachtspäckchen für Rumänien, die „Gesunde Pause“, ein Spendenlauf für die Ukraine.
Und es gibt das, was gar nicht nach Sozialem aussieht: den Schulsanitätsdienst, die Tutorinnen für die Fünftklässlerinnen, die Marketing AG. Wer dort mitmacht, übernimmt etwas, das ohne sie nicht stattfindet.
Vorlesen, jedes Jahr wieder
An dieser Schule wird viel vorgelesen, und zwar von Leuten, die es können. Frau Dombrowsky von der Regensburger Buchhandlung Dombrowsky kommt seit Jahren zu den Fünftklässlerinnen und stellt vor, was gerade erschienen ist. Am bundesweiten Vorlesetag liest die Vorsitzende des Elternbeirats. Zuletzt hat eine ausgebildete Opernsängerin den sechsten Klassen vorgelesen und dabei Querflöte gespielt.
Dazu kommen Autorenlesungen. Dirk Reinhardt war zweimal hier und hat aus „Train Kids“ gelesen, dem Roman über Jugendliche, die auf Zugdächern durch Mexiko nach Norden fahren — die Vorbilder dafür hat er selbst getroffen und mehrere Wochen lang begleitet.
Der Rest läuft ohne Gäste: der Vorlesewettbewerb der sechsten Klassen, die Vorlesepause einmal in der Woche, die Schülerbücherei, die jeden Tag geöffnet hat. Betreut wird sie von Schülerinnen.
Fairtrade-Schule, und was das im Alltag heißt
Die Schule trägt die Siegel Fairtrade School und Eco-Schools Germany. Was davon im Alltag ankommt, steht in der Hausordnung: keine Einwegverpackungen, strenge Mülltrennung, und übriges Essen wird nicht weggeworfen, sondern wieder mit nach Hause genommen.
Der Rest ist Arbeit von Schülerinnen. Das Fairtrade-Team und die Marketing AG richten die Kleidertauschbörse aus, zuletzt im Rahmen der Fairen Woche des Landkreises Straubing-Bogen: abgelegte Kleidung wird abgegeben und kostenlos mitgenommen, vorgeführt in einer Modenschau. Der Nardinitag 2024 drehte sich einen Vormittag lang um die Frage, woher unsere Kleidung kommt — von den Etiketten im eigenen Schrank bis zu den Arbeitsbedingungen in den Nähereien.
Bei der Sammelwoche des Bund Naturschutz gingen die fünften und sechsten Klassen in ihrer Nachbarschaft sammeln und brachten über 2.000 Euro zusammen.